Gans besinnlich – Die Vorweihnachtszeit auf dem Gänsemarkt genießen

„Der Hektik der Vorweihnachtszeit entkommen“, das könnte das Motto des Gänsemarktes in Angermünde sein, denn hier geht es besinnlich zu. Mit regionalen Produkten, Gänsekeule und „gans“ leckerem Glühwein, lässt es ich gemütlich vor der Showbühne aushalten.

Ich bin kein Weihnachtsfan. War es noch nie und werde es nicht mehr werden. Einige lächeln jetzt vielleicht und denken: ich auch nicht. Andere werden sagen: Weihnachten ist so schön. Eine Zeit in der das Plätzchenbacken mit den Kindern, die festlichen Beleuchtungen und die feierliche Musik eine Stimmung verbreiten, dass einem ganz warm ums Herz wird. Halten Sie mich nicht für einen Grinch, der das besinnliche Fest am liebsten boykottieren würde. Ich beachte es innerhalb meines eigenen Mikrokosmos´ einfach nicht. Fast nicht! Denn ich muss einräumen, ich bin Weihnachtsmarktfan. Aber nur von den „richtigen“ Weihnachtsmärkten. Die mit ruhiger Musik, strahlenden Kinderaugen, einem Bühnenprogramm, das friedlich den Zauber der Winterzeit einfängt. Ich bin Fan der leckeren Düfte, die mir verlockend den olfaktorischen Sinn vernebeln und mich zum Schlemmen einladen, damit auch meine Geschmacksknospen zu ihrem Recht kommen. Dagegen finde ich Massenveranstaltungen mit billigen „Made in Taiwan“- Produkten, schlechten und halbwarmen Glühweinen, ölig triefenden Chinanudeln und zu schnell angebratenen Würstchen, deren Inneres noch kalt ist, fürchterlich. Und wie sich erahnen lässt, ich bin Fan des Angermünder Gänsemarktes, weil hier die Weihnachtswelt noch in Ordnung ist.

Der Dezembertrubel lässt sich nicht abschalten. Das Fest der Liebe ist nicht alleine Schuld daran, dass es im letzten Monat des Jahres hektisch zugeht. Quartals- und Jahresabschlüsse, Budget-Planung für 2018 und die kleinen und größeren Aufträge und Projekte, die bis Jahresende erledigt werden müssen, tragen eine Menge zu Chaos und Hektik bei. Das Bonusheft der Krankenkasse ist noch nicht abgestempelt, also schnell noch zum Arzt. Der Wintereinbruch (der ja bekanntlich immer plötzlich kommt) sorgt für Beschaffungskrisen der warmen aber dennoch schicken Kleidungstücke, die vor Erkältungen schützen. Die Familie erwartet eingeladen zu werden oder lädt ein und Silvester will man ja auch nicht zu Hause alleine verbringen. Die To-do-Liste wird länger und länger und arbeitet sich nur mühsam ab. Und da kommt der Gänsemarkt ins Spiel. Eine Pause im Chaos des Jahresendspurts.

Kaum stehe ich auf dem Markt, werde ich ruhig. Von Weiten sehe ich Gesichter, die ich so lange schon nicht mehr gesehen habe. „Lass uns mal zusammen einen Kaffee trinken“, wie oft habe ich das in diesem Jahr zu jemandem am Telefon gesagt und wie oft ist nichts daraus geworden? „Wir müssen uns unbedingt treffen und neue Ideen für das kommende Jahr spinnen“, „Vielleicht sollten wir das Projekt gemeinsam angehen?“ Viele dieser Telefonate oder Gespräche zwischen diversen Supermarkttüren fallen mir ein, die dann im Alltag untergingen. Aber jetzt, jetzt ist die Möglichkeit gekommen. Hier auf dem Markt treffe ich sie. Die Menschen, die ich in den letzten zwei Jahren in Angermünde kennengelernt habe und mit denen ich gerne mehr Zeit verbracht hätte. Und die alten Freunde aus Berlin, denen ich so begeistert von dem friedlichen Weihnachtsmarkt in Angermünde erzählt habe, dass sie auch glatt vorbeikommen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.

So schlendere ich von Stand zu Stand, rede hier und da mit lieben Nachbarn, Bekannten, neuen und alten Freunden, trinke Glühwein, Kakao, Kaffee mit ihnen und beginne mitzusingen, wenn auf der Bühne „In der Weihnachtsbäckerei“ erklingt. Denn mein Stimmungsbarometer steht auf „zufrieden“, was auf Neudeutsch so viel wie „in Balance“ heißt.

Selbst das Kochen kann ich für einige Tage einstellen. Spart Zeit und sorgt dafür, dass ich mitten im Winter mit Gänsekeule, Schorfheider Wildspezialitäten oder einfach mit einer guten Bratwurst auf dem Markt stehe, die Lichter bestaune, das Treiben der Kleinsten lächelnd beobachte und hin und wieder mitsinge, wenn ich ein Lied erkenne und den Text noch einigermaßen beherrsche. Ja, das ist die Vorweihnachtszeit, die meinetwegen den ganzen Dezember über stattfinden kann. Und weil mir gerade so warm ums Herz wird, schaue ich auch noch bei den drei Gänsen vorbei, die unter dem Weihnachtsbaum friedlich ihren Kopf in die Federn stecken und das Treiben um sich herum ignorieren. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine friedliche und besinnliche Weihnachtszeit.

Kena Hüsers - Journalistin, Autorin und Neu-Angermünderin

 

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