Zusammen singen und Glühwein schlürfend plaudern – Adventssamstag in der Pestalozzistraße


Leise rieselt der Schnee. Still und starr liegt der See, weihnachtlich glänzet der Wald: Freue dich, Christkind kommt bald! In den Herzen wird’s warm, still schweigt Kummer und Harm, Sorge des Lebens verhallt: Freue dich, Christkind kommt bald! Bald ist heilige Nacht, Chor der Engel erwacht, hört nur, wie lieblich es schallt: Freue dich, Christkind kommt bald!  Wer kann diese Zeilen lesen, ohne dem Text die passende Melodie zu verleihen? Ich kann es nicht. Ich will es auch gar nicht. Denn diese Zeilen von Eduard Ebel verkörpern für mich den Beginn der Weihnachtszeit.


Als Kind stand ich am Fenster, wenn die dicken – manchmal auch einfach nur fisseligen -– Flocken vom Himmel schwebten und sich in unserem winzig kleinen Garten niederlegten. In Strumpfhose stand ich da, fasziniert von der Weihnachtsstimmung und von den schönen Liedern, die meine Mutter auf dem Plattenspieler abspielte und mitsang. In diesem Moment vergaß ich, wie schrecklich unbequem und kratzig Strumpfhosen eigentlich waren. Sie gehörten blöderweise zum Winter dazu.


Am Adventssamstag, als die Wohnungsgenossenschaft Uckermark zum dritten Male zum Weihnachtsliedersingen einlud, war es kalt. Ich stand vor meinem Kleiderschrank und grummelte vor mich hin: Da muss ne Strumpfhose unter die Jeans. Wenn's zur Belohnung jedenfalls schneien würde. Als mir wenig später die Weihnachtslieder aus meiner Kindheit einfielen, musste ich lachen. „Stille Nacht, heilige Nacht“ schaffte es, dass ich die nervige Strumpfhose vergaß. Der erste Grundgedanke von Weihnachten – das Vergessen von Kummer und Harm – war erfüllt. Ich freute mich auf den kleinen, gemütlichen Weihnachtsmarkt, den die Wohnungsgenossenschaft organisierte, und ich freute mich darauf, mit meiner schrägen Stimme die Lieder mitträllern zu können. Weihnachten ist nicht das Fest des Perfektionismus, Weihnachten ist das Fest des aktiven Miteinanders. Der zweite Grundgedanke war damit ebenfalls erfüllt – die einfache und schlichte Freude über eine Kleinigkeit, die nichts kostet.
Als ich in der Pestalozzistraße ankam, wurde mir erst einmal eine Mütze geliehen, weil ich meine, vor lauter Trällern, zuhause vergessen hatte. Der Grundgedanke der Nächstenliebe und des Teilens wurde so beiläufig erfüllt, dass mir bewusst wurde, es geht nicht um die großen Gesten, die jeder sieht, es sind die kleinen Nettigkeiten, die zählen. Mit der dicken Pudelmütze konnte ich den Abend genießen, mein Kopf war warm.


Beim Plaudern mit den Nachbarn der Genossenschaft und mit lieben Menschen, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, hielt nicht nur der Glühwein warm. Auch Gespräche können sich wohl und wärmend anfühlen und die Sorge des Lebens für einen Moment verhallen lassen, denn das ist auch ein Grundgedanke von Weihnachten. Dieses Miteinander an diesem wundervollen vorweihnachtlichen Samstagabend, das findet man nicht in den Kauftempeln. Diesen schönen Moment der Vertrautheit, kann man auf den großen konsumgesteuerten Weihnachtsmärkten vergeblich suchen. Denn das Besondere an Weihnachten können wir nicht kaufen, es steckt in uns selbst. Es wird durch uns aktiviert und weitergegeben, sobald wir uns auf andere Menschen einlassen, sie nehmen, wie sie sind und uns selbst annehmen, wie wir sind. Wir sind nicht die perfekten Menschen aus der fiktiven Massenmedienwelt. Wir sind fehlerhafte, liebenswerte Erdgesell*innen und das ist gut so! In diesem Sinne: Sollte Sie eine Strumpfhose kratzen, dann singen Sie einfach ein Lied. Bleiben Sie fröhlich. | Kena Hüsers

Das Team der Wohnungsgenossenschaft wünscht Ihnen ein frohes und besinnliches Fest.