An einem wunderschönen Frühlingstag stehe ich im Tierpark vor dem Gehege der Kattas. Ich gestehe, ich bin ein Fan dieser Lemurenart aus Madagaskar. Wenn ich mal schlecht drauf bin, beobachte ich die Primaten mit dem geringelten Schwanz eine Weile, schaue zu, wie sie spielen und klettern, dann ist die Welt wieder in Ordnung.

An diesem herrlichen Frühlingsmorgen stehe ich aber nicht am Gehege, weil ich schlecht drauf bin und Abstand gewinnen möchte, ich bin im Tierpark, weil ich den Nachwuchs von Fopsi (7) und George (9) sehen möchte. Fopsi ist die Anführerin der Gruppe und George musste lange warten, bis er von ihr geduldet wurde. Im Lemurenreich herrschen die Weibchen und sie nehmen nicht jeden in ihre Familie auf. Doch George ist ein gemütlicher Eberswalder (vor zwei Jahren aus dem Zoo gekommen), der stoisch auf seine Duldung gewartet hatte. Man könnte sagen: Er hat es ausgesessen.


Während Fopsi ihr kleines Kind am Bauch trägt, sitzt der stolze Vater daneben und leckt seinen Nachwuchs immer mal wieder ab. Man erkennt ihn daran, dass er etwas grauer als die anderen Kattas ist. Auch Großmutter Fergie (18) lässt es sich nicht nehmen, vorbeizuschauen, und das Junge liebevoll abzuschlecken. Das Baby, das am letzten Tag im Mai geboren wurde, genießt die Aufmerksamkeit. Bald schon wird es sich nicht mehr in der Nähe der Zitzen aufhalten wollen. Dann wird es seine Welt auf Mamas Rücken entdecken, bevor es anfängt mit den Verwandten zu spielen und zu klettern. Als Einzelkind wird sich das putzige Jungtier hin und wieder langweilen. Denn die beiden Einjährigen sind auf dem Weg ins Erwachsenenleben ¬– sozusagen in der Pubertät – und haben andere Interessen. Aber Kattas sind soziale Wesen und es wird sich sicherlich jemand aus der Familie finden, der das Kleine bespaßt. Vater George wird es eher nicht sein. Er gehört zur gemütlichen Sorte, sonnt sich lieber oder hält sich dösend im Schatten auf.


Warum ich das Geschlecht des Neugeborenen nicht genannt habe? Das ist noch nicht bekannt. Um es zu ermitteln, müsste es kurz von seiner Mutter getrennt werden und das wird wahrscheinlich erst im September der Fall sein, wenn das Jungtier gechipt wird – seine Ohrmarke erhält. Dann wird auch ein Name für den Nachwuchs gesucht werden. Melanie Stodtmeister vom Verein für Freunde und Förderer des Tierparks ist sich aber sicher, dass dieser wieder aus einem Königshaus stammen wird. Während ich mich weiterhin am Treiben im Katta-Gehege erfreue, gehe ich die Königskinder durch, deren Namen ich bei meinem letzten Zahnarztbesuch aus der Gala erfahren habe. Archie, Sofia, Leonor, Oskar … da verlassen sie mich auch schon. Es gab doch auch mal ein Königreich Madagaskar. Vielleicht ist da ein schöner Name bei? Ich beschließe später zu googeln. Jetzt möchte ich mir aber lieber noch etwas Zeit nehmen und durch den Tierpark schlendern.

Sehen wir uns beim nächsten Mal am Katta-Gehege? | Kena Hüsers